Tigerstaat des Balkans: Bosnien Herzegowina ante portas EU


Die drei Erkenntnisse des Abends

1. Erkenntnis: Drei Podiumsgäste, zwei Seiten

General Hans Dombröse war bei früheren Podium zur Entwicklung Jugoslawien bereits zu Gast.

(Siehe 100min-Vortrag „Hans Lothar Dombröse, Europäische Sicherheit inmitten globaler Machtverschiebungen“ 15. 11.2023) Dieses Mal standen sich der Friedensforscher Dr. Thorsten Gromes mit einer eher theoretischen und skeptischen Sicht auf Entwicklung und Zustand, der Banker Samir Mustafić und der Unternehmer Adem Velagic, mit einer eher praktischen und optimistischen Sicht auf Gegenwart und Zukunft gegenüber. Man sprach über ein Land mit der Fläche Niedersachsens und ca. 3 Millionen Einwohnern, darunter Kroaten, Serben, Bosnier und als Religionen Islam, Katholiken, Orthodoxe und Juden. Unter den Zuschauenden hatten bei kurzer Umfrage etwa 5 Personen persönlichen Bezug zu Bosnien und Herzegowina, einige mehr ökonomischen.

 

2. Erkenntnis: Es gibt viel Positives über Bosnien und Herzegowina und kann noch viel mehr Positives geben!

Ein Zuschauer erzählt, dass er Grundstücke gekauft und erfolgreich einen Rosen- und Zedernhandel aufgebaut habe, er fühle sich sicher und teilweise besser aufgehoben als in Deutschland, die Bürokratie sei weniger kompliziert. Ein anderer wies auf Transparency Internatioanl 2022 hin, wo auf der Korruptionsliste Bosnien Platz 110 belege (zum Vergleich Kroatien 58, Ukra. 116), das müsse sich verbessern. Sehr verbessert habe sich die Bildung von 2% eines Jahrgangs an den Universitäten massivst erhöht. Bedenklich sei es, wenn Leute eine gute Ausbildung z.B. im Pflegebereich erhielten und dann vom deutschen Gesundheitsminister abgeworben würden. Beim Thema Sicherheit habe man eine Mordrate im Schnitt 1 pro 100.000 Einwohner, das liege zwar leicht über EU-Schnitt unter 1, Frankfurt im Vergleich habe 10 zu 100.000 und Offenbach noch mehr.

Ressourcen wie Wasser, Holz z.B. für Möbelindustrie, Wein durch Winzer, Brückenbau und 24 km Küstenstreifen für den Tourismus, Ansiedlung von Werken von Tesla, BMW usw. Vor allem Unternehmen wie Fixetics Sourcing, die Werkzeuge und Autokomponenten produzierten und dann nach Deutschland, Österreich und Schweiz exportierten und die Asa Banka mit 4.000 Mitarbeitenden, die früher 80 Millionen Bilanzsumme gehabt habe und aktuell 1,6 Millarden Euro und aktuell um die 8% Rendite, weisen auf viel Entwicklungspotential hin. Hr. Velagic und Hr. Mustafić wiesen darauf hin, dass zwar die Politik in der Öffentlichkeit und Mediendiskussion die Leute beeinflussten und gewisse Streitereien provozierten, aber im Geschäftsleben könnte man gut und erfolgreich seinem Business nachgehen und in der Freizeit in Ruhe und in Sicherheit spazieren gehen. 300-400 Ausbildungen fänden in Deutschland statt, und da die Leute dann in Bosnien und Herzegowina berufstätig würden, sprächen viele perfektes Deutsch. Es gäbe 10% Gewinnsteuer, keine Dividendensteuer.

 

3. Erkenntnis: EU leider „nicht wirklich handlungsfähig“, USA glücklicherweise „sehr stark präsent“, schneller EU-Beitritt für Bosnien und für Westen sehr wichtig

Auf der politischen Ebene hätten nach Kriegsende und dem Abkommen von Dayton die Spannungen im Prinzip nicht nachgelassen, viele junge und zunächst progressive Leute entwickelten sich zu rechtsnationalistischen Einstellungen, und die aktuellen Entwicklungen könnten als „Fortsetzung des Kriegs mit anderen Mitteln“ beschrieben werden. Von den Kriterien eines EU-Beitritts mit 14 Prioritäten würden laut Kommissionsbericht 2022 derzeit ca. 2 erfüllt. Aber: Die EU sei „nicht wirklich handlungsfähig“, die USA glücklicherweise „sehr stark präsent“, und die Einbindung Bosniens und Herzwgowina in die Westsphäre sei sehr wichtig, weil das Land wie ein „Brillant in Europa, den man pflegen müsse“, sei und aus geostrategischen Gründen man diese Region nicht dem Osten überlassen dürfe.

 

Podium:

  • Višnja Lončar, Generalkonsulin von Bosnien
  • Adem Velagic, Geschäftsführer, Fixetics Sourcing GmbH
  • Samir Mustafić, CEO, ASA BANKA
  • Dr. Thorsten Gromes, Senior Researcher, PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung
  • Romeo Franz, Abgeordneter im Europäischen Parlament, Delegation für die Beziehungen zu Bosnien und Herzegowina und dem Kosovo (angefragt)
     

Unser Dank geht auch nochmal an das gesamte Team von der Villa Rothschild für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten und Betreuung der Gäste.

Termin
06. Mai 2024, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Villa Rothschild
Im Rothschildpark 1
61462 Königstein
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