Wie funktionieren Rechenzentren? Und warum spielt Frankfurt und die Region Rhein-Main eine besondere Rolle?

Rechenzentren sind längst zu einer zentralen Infrastruktur unserer Wirtschaft geworden. Cloud-Computing, digitale Kommunikation, Datenwirtschaft und insbesondere Künstliche Intelligenz wären ohne leistungsfähige Data Center nicht denkbar. Gleichzeitig gehört Frankfurt Rhein-Main zu den bedeutendsten Rechenzentrumsstandorten Europas.

Bei der Montagsgesellschaft diskutierten wir darüber, warum die Region diese besondere Position einnimmt, welche wirtschaftlichen Chancen damit verbunden sind und welche Herausforderungen bei Energie, Flächen, Nachhaltigkeit und digitaler Souveränität entstehen.

Die Gesprächsgäste

Auf dem Podium diskutierten:

Professor Dr. Christoph Schalast, Founder & Managing Partner SCHALAST Law | Tax, Rechtsanwalt und Notar sowie Professor an der Frankfurt School of Finance & Management.

Frank Zachmann, Vorstand Digital Hub FrankfurtRheinMain und Founding Partner der contagi DIGITAL IMPACT GROUP GmbH.

Klaus Schindling, Bürgermeister von Hattersheim und Vorstandsmitglied der German Data Center Association.

Dr. Dieter Lang, Bürgermeister der Kreisstadt Dietzenbach.

Warum Frankfurt Rhein-Main ein Data-Center-Hotspot ist

Die Stärke der Region entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Standortfaktoren: die Nähe zum Internetknoten DE-CIX, eine leistungsfähige Stromversorgung, Glasfaserinfrastruktur, verfügbare Flächen sowie die internationale Anbindung über Frankfurt und den Flughafen.

Hattersheim und Dietzenbach zeigen dabei, wie stark inzwischen auch die Kommunen rund um Frankfurt von der Entwicklung profitieren. In Dietzenbach waren beispielsweise vorhandenes Baurecht, große verfügbare Flächen, Glasfaser und eine leistungsfähige Stromanbindung entscheidende Argumente für neue Rechenzentrumsprojekte.

Künstliche Intelligenz treibt den Energiebedarf

Besonders deutlich wurde, welche Auswirkungen der Boom der Künstlichen Intelligenz auf die Branche hat. Frank Zachmann erläuterte, dass Rechenzentren in Frankfurt bereits 2019 mehr Energie verbrauchten als der Frankfurter Flughafen. Mit KI und immer größeren Datenmengen steigt der Bedarf weiter.

Damit wird Energie zunehmend zu einem der wichtigsten Faktoren für die weitere Entwicklung des Rechenzentrumsstandorts Frankfurt Rhein-Main.

Wachstum muss einen Mehrwert für die Region schaffen

Rechenzentren benötigen große Flächen und enorme Energiemengen. Entsprechend wichtig ist die Frage, welchen konkreten Nutzen Kommunen und Bevölkerung von neuen Ansiedlungen haben.

Klaus Schindling und Dr. Dieter Lang machten deutlich, dass wirtschaftliche Entwicklung deshalb mit Nachhaltigkeit und kommunaler Wertschöpfung verbunden werden muss. Dazu gehören Gewerbesteuereinnahmen und qualifizierte Arbeitsplätze ebenso wie Abwärmenutzung, Photovoltaik, begrünte Fassaden und nachhaltige Wasserkonzepte.

Hattersheim arbeitet beispielsweise bereits daran, die Abwärme seiner Rechenzentren über ein Wärmenetz für weitere Gebäude nutzbar zu machen.

Digitale Souveränität wird zur strategischen Frage

Neben Energie und Nachhaltigkeit rückte auch die Sicherheit unserer Daten in den Mittelpunkt. Wer betreibt die Infrastruktur? Wo werden Daten gespeichert und verarbeitet? Und wie lässt sich gewährleisten, dass Deutschland bei seiner digitalen Infrastruktur nicht in zu große Abhängigkeiten gerät?

Professor Dr. Christoph Schalast und Frank Zachmann machten deutlich, dass dabei rechtliche, technische und organisatorische Fragen zusammengedacht werden müssen.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Abends

Rechenzentren sind das Rückgrat der Digitalisierung und werden durch den weiteren Ausbau von KI noch bedeutender. Frankfurt Rhein-Main besitzt hervorragende Voraussetzungen, seine Position als europäischer Data-Center-Hub weiter auszubauen.

Gleichzeitig braucht dieses Wachstum verfügbare Energie, geeignete Flächen, schnellere Genehmigungsprozesse und gesellschaftliche Akzeptanz. Entscheidend wird sein, neue Rechenzentren so zu entwickeln, dass nicht nur die Betreiber, sondern auch Kommunen, Wirtschaft und Menschen in der Region langfristig davon profitieren.

Termin
10. August 2026, 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Stadthalle Hattersheim
Karel-Eckel-Weg 21
65795 Hattersheim
Teilnahmegebühr
Gäste: 30 €
Mitglieder: frei