Veranstaltung der Reihe Zeitzeuge Bundesrepublik - Frau Edith Erbrich

Zeitzeugin der Bundesrepublik: Edith Erbrich zu Gast in der Villa Rothschild
Im Rahmen der Reihe „Zeitzeuge Bundesrepublik“ begrüßte die Montagsgesellschaft in der Villa Rothschild die Holocaust-Überlebende Edith Erbrich. Der Abend stand im Zeichen des Erinnerns, des Dialogs zwischen den Generationen und der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
Das gesamte Gespräch im Video:
Kindheit in Frankfurt: Ausgrenzung und Bombennächte
Edith Erbrich, 1937 in Frankfurt geboren, wuchs als Tochter eines jüdischen Vaters und einer katholischen Mutter auf. Als sogenannte „Mischlinge ersten Grades“ waren sie und ihre Schwester massiver Diskriminierung ausgesetzt:
- Kein Schulbesuch
- Kein Zutritt zu öffentlichen Luftschutzkellern
- Beschimpfungen und soziale Ausgrenzung
Bereits als Kind erlebte sie die Zerstörung Frankfurts und den zunehmenden Verlust von Sicherheit und Normalität.
Deportation nach Theresienstadt
Am 14. Februar 1945 wurde Edith Erbrich gemeinsam mit ihrem Vater und ihrer Schwester von der Frankfurter Großmarkthalle nach Theresienstadt deportiert.
- Vier Tage Transport im Viehwaggon
- Trennung von der Mutter
- Unterbringung und Trennung nach Alter und Geschlecht im Lager
- Versteckter Unterricht für Kinder
- Weitertransporte aus Theresienstadt nach Auschwitz
Die geplante Weiterdeportation nach Auschwitz war bereits terminiert – sie wurde durch die Befreiung des Lagers in der Nacht zum 8. Mai 1945 verhindert.
Befreiung und Rückkehr
Die Befreiung durch die Rote Armee bedeutete für Edith Erbrich und ihre Familie die Rettung. Wochen später kehrten sie – unter schwierigen Bedingungen – nach Frankfurt zurück.
Die Wiederbegegnung mit der Mutter in der Hanauer Landstraße wurde zu einem der prägendsten Momente ihres Lebens.
Schweigen, Aufarbeitung und Engagement
Lange Zeit schwieg die Familie über das Erlebte. Erst im Ruhestand begann Edith Erbrich als Zeitzeugin öffentlich zu sprechen.
Heute ist sie regelmäßig an Schulen aktiv und wurde für ihr Engagement ausgezeichnet, unter anderem mit:
- dem Bundesverdienstkreuz
- dem Hessischen Verdienstorden
- der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt (angekündigt)
Ihre Botschaft an die junge Generation ist klar:
„Haltet die Augen und Ohren offen, damit so etwas nie wieder geschieht.“
Dialog über Verantwortung und Gegenwart
In der anschließenden Diskussion standen Fragen nach Erinnerungskultur, gesellschaftlicher Verantwortung und aktuellem Antisemitismus im Mittelpunkt. Edith Erbrich betonte, wie wichtig ein friedliches Miteinander, Respekt und Dialog sind – unabhängig von Religion oder Herkunft.
Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie persönliche Erinnerungen Geschichte greifbar machen. Die Reihe „Zeitzeuge Bundesrepublik“ erfüllt damit ihren Anspruch, historische Erfahrungen mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu verbinden.
Die Montagsgesellschaft dankt Edith Erbrich für ihre Offenheit, ihren Mut und ihre unermüdliche Bereitschaft zum Dialog.
13. April 2026, 19:30 Uhr
Villa Rothschild
Im Rothschildpark 1
61462 Königstein im Taunus