Im Dialog mit Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich: „Über das, was bleiben soll, entscheiden wir heute"

„Über das, was bleiben soll, entscheiden wir heute“
Dr. Stefan Söhngen im Dialog mit Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich
Ein herzlicher Dank gilt Martina Güttler für die Gastfreundschaft und den inspirierenden Rahmen.
Künstliche Intelligenz: Sparringspartner oder Ersatz?
Im Zentrum des Abends stand die Frage, wie wir als Gesellschaft mit der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz umgehen.
Prof. Dievernich machte deutlich:
Das Problem sei nicht die KI selbst – sondern wie wir sie nutzen.
Statt KI als bloßen „Antwortautomaten“ zu verwenden, brauche es Dialogfähigkeit. Kinder und Jugendliche müssten lernen, KI kritisch zu hinterfragen, ihre Logik zu verstehen und sie als Sparringspartner zu begreifen – nicht als Denk-Ersatz.
Medienkompetenz allein reiche dabei nicht aus. Entscheidend sei die Verbindung von Bildung und Beziehungsfähigkeit – also auch eine Frage der Erziehung.
Machtfrage 2.0: Wer versteht die Systeme?
Ein zentraler Gedanke des Abends war die neue Machtfrage im Informationszeitalter.
Nicht mehr nur Kapital entscheide über Einfluss, sondern:
- Informationshoheit
- Systemverständnis
- Fähigkeit zur kritischen Einordnung
Die Sorge: Eine neue Spaltung zwischen denen, die Technologien verstehen und gestalten – und denen, die nur konsumieren.
Die Demokratie habe dabei kein ideelles Problem, wohl aber ein organisatorisches. Fragmentierung, Ausdifferenzierung und zunehmende Komplexität erschwerten Entscheidungsprozesse. Eine Reform politischer Entscheidungsstrukturen wurde als notwendige Debatte benannt.
Freiheit, Arbeit und Verantwortung
Unter dem Leitgedanken des Abends stellte Dr. Söhngen die Frage:
Was soll bleiben – und was entscheiden wir heute?
Prof. Dievernichs Antwort:
Bleiben soll der Mensch – mit seiner Unvollkommenheit, Emotionalität und Gestaltungsfähigkeit.
Technologie werde in vielen Bereichen besser, schneller, effizienter sein. Doch der Mensch bleibe ein schaffendes Wesen. Arbeit sei nicht Last, sondern Ausdruck von Gestaltungskraft. Freiheit bedeute dabei auch Mut – Mut zur Verantwortung und zur aktiven Mitgestaltung.
Generation Zukunft: Zwischen Überforderung und Sinnsuche
Ein weiterer Schwerpunkt war die junge Generation.
Anders als frühere Generationen wachse sie ohne klares Aufstiegsversprechen auf.
Alles scheint möglich – und genau das erzeugt Druck.
Die große gesellschaftliche Vision fehle.
Ohne gemeinsames Zukunftsbild bleibe Orientierung schwierig.
Fazit
Der Abend zeigte:
Die Herausforderungen der KI sind weniger technischer, sondern zutiefst gesellschaftlicher Natur.
Es geht um:
- Bildung und Dialogfähigkeit
- Demokratie und Entscheidungsstrukturen
- Freiheit und Verantwortung
- Menschlichkeit im digitalen Zeitalter
Oder, wie es sinngemäß formuliert wurde:
Über das, was bleiben soll, entscheiden wir heute.
Die Montagsgesellschaft dankt Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich für den anspruchsvollen und inspirierenden Dialog – und allen Gästen für die engagierte Diskussion.
20. April 2026, 19:30 Uhr
Claus Blumenauer Immobilien GmbH
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