Wie aus Bestand bezahlbarer Wohnraum und neue Perspektiven für Frankfurt entstehen

Leerstand trifft auf wachsenden Wohnraumbedarf
Wie kann Frankfurt dringend benötigten Wohnraum schaffen und gleichzeitig den bestehenden Gebäudebestand sinnvoll nutzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Montagsgesellschaft bei Barclays in Frankfurt gemeinsam mit Peter Pawelski, CEO der CNTXT8 GmbH und Initiator von „The New Frankfurt“, Peter Strümpell, Head of Real Estate Investment Banking DACH & Nordics bei Barclays, und Erik Bechtold, Geschäftsbereichsleiter Innenausbau bei Goldbach Kirchner raumconcepte.
Die Ausgangslage zeigt das Potenzial: Während in Frankfurt große Büroflächen leer stehen, wächst der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum weiter. Statt ausschließlich über Neubau zu sprechen, rückte deshalb die Transformation bestehender Immobilien in den Mittelpunkt.
Der Bestand als Ressource
Peter Pawelski zeigte mit „The New Frankfurt“, wie leerstehende oder nicht mehr zeitgemäße Bürogebäude zu neuen Wohn- und Lebensräumen werden könnten. Dabei geht es nicht allein um die Umwandlung einzelner Flächen. Gefragt sind gemischte Quartiere, in denen Wohnen, Arbeiten, Kitas, Schulen und Orte der Begegnung zusammengedacht werden.
Das Lyoner Quartier in Niederrad zeigt bereits, welche Möglichkeiten, aber auch welche Herausforderungen eine solche Transformation mit sich bringt. Neue Wohnungen benötigen immer auch eine mitwachsende soziale und städtische Infrastruktur.
Transformation muss sich rechnen
Peter Strümpell brachte die Perspektive des Kapitalmarkts in die Diskussion ein. Steigende Zinsen und höhere Renditeanforderungen erschweren aktuell viele Immobilienprojekte. Auch gesellschaftlich sinnvolle Umnutzungen müssen deshalb wirtschaftlich tragfähig sein.
Chancen bieten insbesondere Mischkonzepte, bei denen beispielsweise moderne Büroflächen, frei finanzierter und geförderter Wohnraum miteinander kombiniert werden. Förderinstrumente und die Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privaten Investoren können dabei wichtige Bausteine sein.
„Der Erhalt ist der neue Neubau“
Erik Bechtold machte deutlich, dass die Zukunft der Immobilienwirtschaft wesentlich im Bauen im Bestand liegen wird. Gebäude müssen dafür flexibler gedacht werden: technische Infrastruktur sollte nachrüstbar, Innenausbau veränderbar und Materialien möglichst wiederverwendbar sein.
Auch ehemalige Kaufhäuser und andere lange leerstehende Gewerbeimmobilien bieten großes Potenzial für neue Nutzungen. Entscheidend ist, jedes Gebäude individuell zu betrachten und frühzeitig unterschiedliche Nutzungsoptionen mitzudenken.
Gemeinsam schneller zu Lösungen kommen
Ein wiederkehrender Punkt des Abends war die notwendige Zusammenarbeit zwischen Projektentwicklern, Architekten, Finanzierern, Behörden und ausführenden Unternehmen. Genehmigungs-, Planungs- und Finanzierungsprozesse könnten stärker parallelisiert und damit beschleunigt werden.
Die Diskussion machte deutlich: Viele Gebäude für das Frankfurt von morgen stehen bereits heute. Die Aufgabe besteht darin, ihren Wert neu zu erkennen und aus bestehender Substanz wirtschaftlich tragfähige, nachhaltige und lebenswerte Räume zu entwickeln.
07. September 2026, 19:30 Uhr
Barclays Investment Bank
Taunustor 1
60310 Frankfurt